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![]() 50 JAHRE FACHZEITSCHRIFT FÜR LITERATUR UND KUNST 1958 - 2008 PF 19 19 23 D-14008 BERLIN TEL +49(0)30-301 02 044 FAX +49(0)30-301 07 006 KONTAKT@DERLITERAT.DE |
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Historie Wir schreiben das Jahr 1958. An der Tür Nachkriegsdeutschlands beginnt auch die Geschichte der Zeitschrift Der Literat. Die Richtung ist der jüngsten Vergangenheit verpflichtet und folgt einem redaktionellen Konzept, das sich als literarisch-kulturelle Chronik versteht, literarische Serien kreiert, Serviceteile für Autoren bereit hält und noch unveröffentlichte künstlerische Primärtexte der entstehenden Gegenwartsliteratur in Lyrik und Prosa publiziert. Der während der Nazizeit gleichgeschaltete Schutzverband Deutscher Schriftsteller hat sich neu gegründet, und Der Literat wird zunächst das Blatt des hessischen Landesverbandes. Später öffnet sich die Zeitschrift im Verbands-Nachrichtenteil allen kulturellen Vereinigungen - bis die allgemein interessierende Berichterstattung dies ab 1996 aus Platzgründen nicht mehr zulässt. Gründungsherausgeber ist Theodor Tauchel (1908-1997), während des 3. Reiches mit Berufsverbot belegt. Die ersten Ausgaben bieten zwölf Seiten Lesestoff. Die ersten Abonnierten haben Namen von bekanntem Klang: Dr. Ilse Benn geborene Kaul (dritte Ehefrau Gottfried Benns seit 1946), Mary Gerold-Tucholsky, Schiller-National-Museum, Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Schulen des Deutschen Buchhandels…Die Verbreitung ist international. Verlagsort ist Frankfurt am Main, wohin nach der Teilung Deutschlands auch so viele ehemals ostdeutsche Buchverlage eilen - und eine zweite Buchmesse im geteilten Deutschland sowieso. Eine Literat-Ausgabe des Jahrgangs 1960 berichtet, dass die damals für stattlich gehaltene Ausstellerzahl am Main 39 Stände aufwies, gemessen an einer Verlagspräsenz von 27 im Vorjahr 1959. - Kennt jemand noch Victor Gollancz? Er hat soeben den Friedenspreis des deutschen Buchhandels erhalten. Die Laudatio auf ihn von Hermann Kesten ist einer der Glanzessays Literat 1/1960. Im selben Heft schreibt Fritz Usinger (1895-1982) über Kasimir Edschmid (1890-1966). Ansonsten geht es bereits länderübergreifend zu: Notizen über eine Europäische Universität, ein Bericht über die Kulturarbeit der Deutschen Botschaft in Kairo. Als Serie erscheinen die Nachrichten des Internationalen Kultur- und Austauschzentrums. Innen an Deutschland reißt die Spaltung. "Schick auch ein Buch nach drüben" heißen Aufrufe zwischen den Literat-Aufsätzen. Längst noch nicht alle, die aus Krieg und Emigration zurück erwartet werden, sind wieder da. Sie werden gesucht in dieser Zeitschrift Wer kennt Herrn Dr. Bindels? Er soll Pressechef des 1936 untergegangenen Zirkus "Rhenus" und nebenher Schriftsteller gewesen sein…Wer kennt Anny Popp? Die Deutsche Botschaft in Paris ist im Besitz eines Koffers von ihr mit Büchern und Manuskripten…Ein Berliner Verlag sucht seine Autoren Maximilian (Max) Moris und Josef Siener. Auf derselben Seite dieses Literat-März-Heftes von 1960 findet sich auch eine Anzeige ganz anderer Art Endfünfzigerin mit kleiner Pension, mit Möbeln für ein Zimmer, würde älterem Schriftsteller (Dichter) unentgeltlich den Haushalt führen. Inmitten dieser privaten Inseln stehen Zeugnisse über das politische Klima: Ein Offener Brief von Wolfdietrich Schnurre und Günter Grass, den beide am 16. August 1961 - drei Tage nach dem Mauerbau - im Büro des Deutschen Schriftstellerverbandes in Ostberlin überreichen, "scheint", wie Schnurre im Literat schreibt, "einen neuralgischen Nerv getroffen zu haben, und zwar auf beiden Seiten". In derselben Ausgabe 10/1961 meldet sich Gerhart Pohl zu Wort: "Schließlich sind die von Ihnen angesprochenen wenigen prominenten Schriftsteller, die wir nach dieser moralischen Katastrophe wohl als verloren ansehen müssen, nicht d I e Schriftsteller Mitteldeutschlands. Auf meinem Schreibtisch liegen Gegenbeweise…" Dass sie es sich gegenseitig nicht leicht machen, die Schriftsteller, spiegelt Der Literat wieder und berichtet über neu entstehende Gruppierungen, Vereinigungen, Phalanxen. Klaus Mampell nimmt die "Gruppe 47" unter die Lupe: "…Dieses Literaturwunder ist eng mit dem Wirtschaftswunder verknüpft…Eine solche Verbindung von Kultur und Geschäft gibt es wohl nirgends sonst. Ein Literaturkartell wie die Gruppe 47 ist ein Novum im Kulturbetrieb…" (Literat 12/1961). Es ist eine Zeit, in der Autoren mit Macht ausgestattet sind wie später kaum wieder. Literat-Mitarbeiter Horst Krüger recherchiert für Heft 2/1967 an der Spree und geht der Frage nach, ob es in Berlin eine Literatur-Mafia gibt "Herrschen hier wirklich die Terrorgesetze einer geheimen Clique? Werden hier literarische Rollen inszeniert, Autoren und ihr Marktwert manipuliert?" Nach vier reflektierenden Artikel-Absätzen gibt er sein abschließendes Statement: "Ich plädiere für die Mafia, wenn sie in einer Stunde der Krise eine Herrschaft der Besten betreibt." Einerseits bilden sich geschlossene Systeme im Literaturbetrieb, andererseits wird Gemeinsamkeit angestrebt, wenn es um Rechte- und Vergütungsziele geht: Die Verwertungsgesellschaft Wort, 1959 nach dem Konkurs der Gelu gegründet, schüttet, so steht's in Literat-Ausgabe 6/1967, erstmals Tantiemen für Autoren aus. Auch die 68er Jahre bringen zusammen. Politische Einmischung ist angesagt und Berichterstattung darüber Chronistenpflicht des Literat. Die Redaktion gibt Dieter Lattmann, als er zum Präsidenten der Bundesvereinigung der Deutschen Schriftstellerverbände e.V. gewählt ist, genauso Raum, seine Ziele zu entwickeln ("Mitwirken der Schriftsteller an öffentlichen Aufgaben als Organe der kritischen Vernunft") wie auch Horst Krügers Skepsis gegenüber der Wirksamkeit von Resolutionen. Und es ist eine protestreiche Zeit, in der sich Sorgen um Presse- und Verlagskonzentrationen ebenso aussprechen wie Aufforderungen des Hessischen Schutzverbandes Deutscher Schriftsteller an den Innenminister ein NPD-Verbot zu prüfen. Erste Rezensionen über Antikriegsbücher zur Vietnam-Sinnlosigkeit erscheinen. Für literarisch-inhaltliche Aufregung sorgt der von der Stadt Darmstadt neu gestiftete und bis heute existierende Leonce-und-Lena-Preis für junge Lyriker. Der damals 23jährige Wolf Wondratschek ist der erste Preisträger mit dem Gedicht "Als Alfred Jarry merkte, daß seine Mutter eine Jungfrau war, bestieg er sein Fahrrad". Als in Literat 6/1968 der vollständige Text erscheint, hagelt es Leser-Auseinandersetzungen, schön subjektive Kampfeslust: Manch einer konnte die Jury-Entscheidung "als in Büchners Sinn einer Satire" verstehen, manch einer erinnerte, wieder mehr "mit Rilke zu ringen", und viel ist die Rede von "Zeus und den Musen". Eine Stimmenauswahl
Ich halte Herrn Wondratscheks Text nicht für genial, aber ein interessanter Rhythmus ist ihm nicht abzusprechen. Auch nachdem Ingeborg Drewitz in der "Zeit" Schriftstellerverbände als "Altherrenverbände" abgekanzelt hatte, flogen im Literat-Leserbriefteil vorübergehend die Fetzen. Der Blick nach draußen im Literat-Novemberheft 1968 ist aus der Feder von Wolfgang Kraus: "Die gewaltlose Macht - Pläne und Möglichkeiten der Intellektuellen in der CSSR". Anfang der 70er Jahre bleibt die Frage, ob eine Schriftstellergewerkschaft sinnvoll sei, das große Pro- und Contra-Thema: "Wird jemals die IG Druck und Papier für Schriftsteller-Tarife streiken? Wird sie einen Arbeitskampf entfesseln, weil irgendwelche Medienträger sich ungerecht oder unsozial gegen Schriftsteller verhalten?" (Der Literat 4/1972). Es bilden sich Fraktionen, neue Vereinigungen: Der Schriftstellerverband (VS) fusioniert mit der Industriegewerkschaft (IG) Druck und Papier. Die Berichterstattung in Heft 2/1973 zitiert den Beitritt als "Jahrhundertereignis" und bemüht sich um Ausgewogenheit, indem sie Rudolf Krämer-Badonis Polemik ("…das ganze Unternehmen ist eigentlich sinnlos…, weil es um Tarifverträge mit Buchverlegern gar nicht gehen kann.") den moderaten Aufsatz von Wolfram Schütte gegenüberstellt, der in den Schlusssatz mündet "Da wird es noch eine ganze Menge Erfahrungen zu machen geben." Prosa und Essays für den Literat schreiben jetzt - um nur diese zu nennen - Peter Handke (das blaue Honorar-Adressbuch von damals zeigt noch seine Kronberger Anschrift), Karl Krolow, Siegfried Lenz, Irmtraud Morgner, Dieter Wellershoff, Gabriele Wohmann. Veränderungen in der Medienwelt führen zur Problematisierung des Stellenwertes der Literatur: "Fest steht, daß die Literatur heute mehr denn je der Öffentlichkeit bedarf, um nicht von anderen Erscheinungsformen unseres modernen Lebens gänzlich abgedrängt zu werden. Die manipulatorischen Zwänge der Massenmedien Funk und Fernsehen, in denen die Literatur ja in einem starken Maße die Öffentlichkeit sucht, dürften kaum weniger gravierend sein als der manipulatorische Hintergrund einer Kaufhauslesung" (Der Literat 11/1971). Wer aber ist der Autor? Er ist vor allem selbstbewusster. Eigenständige Autoren-Editionen werden gegründet (Der Literat 9/1973), in ihnen legen Gisela Elsner, Gerd Fuchs, Christian Geissler, Richard Hey und Uwe Wandrey ihre Bücher vor. Ein Novum gibt es auch im Buchhandel: Zehn Autoren und Redakteure gründen in München die "Autorenbuchhandlung", weitere wie Hans Bender, Ingeborg Drewitz, Peter Härtling, Ernst Jandl, Christoph Meckel, Martin Walser schließen sich an (Literat 12/1973). Und der "junge" Autor? Dieser Frage geht Heinz Piontek in Literat 2/1973 nach. Er kommt zu dem Ergebnis, dass Krolow, Weyrauch, Andersch oder Holthusen mittlerweile schon gute Vierziger sind und sich bereit dazu machen müssten, von den Nachrückendenden in die Ecke gedrängt zu werden. Piontek räumt ein, dass es einen Kampf der jüngeren gegen die ältere Generation immer gegeben habe, gibt aber zu bedenken, dass es sich aktuell um einen einseitigen Kampf handele: "Jene älteren Autoren wehren sich kaum, schlagen nicht zurück. Sie verbinden sich auch nicht untereinander, um gemeinsam Front zu machen, sie schauen nur zu…im Gegensatz zu den (früheren) Schiller, Goethe, Eichendorff, Hebbel, Storm, Musil, Borchardt, Schröder, Zuckmayer…Alles streitbare Herren." Solidarität versus Politstreit unter Dichtern - Beides steht drin in den Literat-Heften des 1970er Jahrgangs.
Im VS Hessen gibt es wie in jedem Landesverband Kollegen, denen es nicht möglich ist, ihren Beitrag zu bezahlen. Wir bedanken uns deshalb besonders bei zwei Kollegen, die durch doppelte Beitragszahlung die Mitgliedschaft für einen solchen Kollegen ermöglichten (5/1973). Konservativ in obigem Sinn ist vielleicht Peter Handke, der Büchnerpreisträger des Jahres 1973. In seiner Darmstädter Rede nimmt er kein Blatt vor den Mund, biographisch Erlittenes mischt er trotzig mit politisch Unerträglichem (Literat 11/1973). Hinführen aber soll Handkes Erörterung zu einer Antwort auf die friedfertige Frage "Wie wird man ein poetischer Mensch?" Vielleicht hat diese Auskunft Ingeborg Bachmann, ebenfalls ausgezeichnet mit dem Büchnerpreis, mit ins Grab genommen. Ihren Nachruf gestaltet Karl Krolow im Novemberheft 1973: "…Sie hat im Gedicht nie den Sinn für Schönheit aufgegeben. Sie gehörte gewissermaßen zu ihrem poetologischen Thema, zum Existenziell-Utopischen, das gelegentlich feierlich-mystische Merkmale annehmen konnte…Ingeborg Bachmanns Gedichte waren Seins- und Daseins-Filter, metaphysisch in ihrem Sehnsuchtscharakter…" Zweite Hälfte der 70er Jahre, zwei Literaturnobelpreisträger, Heinrich Böll (1917-1985), streitbarer Unruhestifter in seinem Land, sein russischer Freund Alexander Solschenizyn aber befindet sich, weil er wie Böll politisch denkt und schreibt, seit einem Jahr im Exil. Literat-Mitarbeiter Gerhard Weber trifft Böll zum Interview in Paris (Literat 10/1974), Irmgard Locher gibt in Literat 3/1975 ein Porträt des russischen Autors, der sich mittlerweile in der Schweiz niedergelassen hat, über seine 365-West-Tage: "Er ist voller Mißtrauen und kapselt sich richtig ab." Schizophrenie des Kalten Krieges. Die DDR-Rock-Band "Puhdys" tritt 1976 erstmals im Westen auf, Wolf Biermann wird wegen seines Konzerts in Köln im selben Jahr aus der DDR ausgebürgert (Literat 9/1976). Die Stimmung ist aufgeheizt. Die Beschädigungen sind enorm. Auch im Literat geht es nicht ohne Häme ab, wenn Ost- und West-Block einander blockieren. Zwei deutsche Literaturen (Literat 4/1975)? Was ist wirklich dran an den Texten Wolf Biermanns (Literat 9/1976, 2/1977)? Was an Stefan Heyms Roman über den 17. Juni 1953, "5 Tage im Juni" (Literat 3/1975)? Dazwischen fast jedes Jahr ein Bericht über die Frankfurter und Leipziger Buchmesse Als wichtige Neuerscheinungen nenne ich hier nur Karl Mickels neuen Gedichtband "Eisenzeit", Volker Brauns Notatenband "Es genügt nicht die einfache Wahrheit" und Hans Pfeiffers Thomas-Müntzer-Roman…Um 9.00 Uhr wurde geöffnet im Leipziger Messehaus am Markt, um 9.10 Uhr war kein einziger Band von Günter Grass mehr bei Luchterhand auffindbar. Auch Heissenbüttel und Rühm gingen weg. Grass' "Über das Selbstverständliche" durfte in Leipzig nicht ausgestellt werden. Lukàcs dagegen wurde nicht bemängelt. Westlicherseits war man mit dem DDR-Zoll allgemein zufrieden…(Literat 4/1975). Daneben spitzt sich die Frage, ob DDR- und ehemalige DDR-Autoren einen Bonus bekämen in der Bundesrepublik, immer weiter zu (Literat 3/1978). So auch in einem Bericht über die Lesereise der soeben aus der DDR ausgebürgerten Lyrikerin Sarah Kirsch (Literat 1/1978), etwas einfühlsamer über eine Veranstaltung mit dem in den Westen übergesiedelten Hans Joachim Schädlich (Literat 2/1978) und die Berichterstattung über die Verleihung des Bremer Literaturpreises an Christa Wolf (Literat 2/1978) - das wird noch nach der Wiedervereinigung eine virulente Unterstellung bleiben. Kontinuierlich räumt die Redaktion bis zum Ende des Ceausescu-Regimes der so genannten fünften deutschen Literat Platz ein, damit sie nicht vergessen wird. Insbesondere der damals 24jährige Richard Wagner (Literat 5/1975) findet mit einem Gedicht Erwähnung neben den jungen Banater Literaten Agnes Thiry und Franz Schleich: "Geständnis. Pausenlos sammeln sich/Fragen in mir./Fast bleibe ich mit dem/Antworten auf der Strecke." Die Omnipräsenz des Fernsehens und, mehr noch des Fernseh-Konsums, kann Autoren nicht kalt lassen. Wie weit vorgedrungen in das Bewusstein der Menschen ist das Visuelle bereits? Wie einflussmächtig? Lässt sich da Literatur überhaupt noch legitimieren, welche Funktion kommt ihr zu bei der Konkurrenz immer schneller verbrauchter und verbrauchbarer Botschaften (Literat 3/1975)? Dieter Wellershoff untersucht die westdeutsche Literatur nach Problemen, Tendenzen und Gestalten. Er verwendet dabei den Begriff der Posthistorie von Arnold Gehlen und bilanziert Alle Ideen sind formuliert, alle Formen stehen zur Verfügung, was jetzt kommt, ist nur technische Perfektionierung und Variation. Betrachtet man die gegenwärtige literarische Szene in der Bundesrepublik, dann scheinen alle drei Thesen zuzutreffen. Und doch gibt es Neues unter der Sonne - vor allem im Sommer, wenn die literarische Welt nach Klagenfurt zum Ingeborg-Bachmann-Preis reist. 1977 wird er erstmals ausgelobt und nach dem bekannten Lese-Marathon vergeben - damals hatten die eingeladenen Autoren nach ihren Textvorträgen noch absolutes Redeverbot. Für den deutschsprachigen Literaturbetrieb bricht eine aufregende Zeit und den dort agierenden Marcel Reich-Ranicki der steile Aufstieg zum Literaturpapst an. Für den Literat sind zwei Beobachterinnen dort: Elisabeth Art, die "Gutes über Klagenfurt" zusammenfasst und Karin Struck, die als teilnehmende Autorin weniger schmeichelhafte Worte für den Umgang zwischen Jury und Schriftstellern findet, so dass sie sich zur Abreise entschließt: In Literat 7/1977 schreibt sie unter der Überschrift "Klagen über Klagenfurt oder Das Festival der gelähmten Zungen" ihre Erfahrungen. Gerade in diesen Jahren zeigt sich, dass Gängeleien durch Kritiker und Juroren nicht der einzige Aspekt des Literaturbetriebs bleiben. Generell für ein stärkeres kulturelles Bewusstein tut die "Kultur-für-alle"-Devise des Frankfurter Kulturdezernenten Hilmar Hoffmann viel (Der Literat 12/1976), und Alternatives rückt ebenso in den Mittelpunkt (Literat 5/1979) wie Experimentelles (Literat 6/1979). "Gegenöffentlichkeit" entsteht. Schreiben wird vermehrt als Einmischung begriffen, aber wie weit kann ein Autor dabei gehen? Günter Wallraff nicht weit genug, Peter Schneider bis an den Rand der eigenen Distanz: "Man kann nicht revoltieren und gleichzeitig einen Roman schreiben" (Der Literat 6/1976). Und was ist mit dem Warencharakter von Literatur? Am Beispiel der angesehenen Literaturpreise Frankreichs entstehen Fragen über Monopole, Markt und Möglichkeiten (Literat 1/1980). Flop oder Bestseller - hierüber zu entscheiden, wird immer mehr das Amt von Kritikern - aber welche Maßstäbe, Kriterien haben sie? Für Literat 6/1980 versucht Ursula Homann hinter Rezensions-Regeln zu kommen, welcher "Logik" folgen Literaturkritiker?
Frage an Heinrich Vormweg: Haben Sie bestimmte Kriterien? Auf jeden Fall keine formulierbaren. Ich reagiere auf jedes Buch anders… Schriftsteller zwischen Ost und West (Erich Loest in Literat 1/1983 und Václav Havel in Literat 4/1983) bilden immer wieder die Themenschwerpunkte dieser Jahre Václav Havel wurde für das kommunistische Regime in der Teschechoslowakei zu einer ständigen "Belastung". Einige Male schlug man ihm vor, das Land zu verlassen. Sogar während der Haftzeit, nachdem er wegen angeblicher "versuchter Schädigungen der Republik im Ausland" im Herbst 1979 zu viereinhalb Jahren Gefängnis verurteilt wurde, hatte man ihm - zuletzt im vergangenen November - eine Emigration nahegelegt. Er lehnte das Angebot ab, genauso, wie er auch ein Gnadengesuch ausschlug, das in seinen Augen ein Beweis gesetzwidriger Tätigkeit wäre, der er niemals nachgegangen war. Darüber wölbt sich die Diskussion am Ende der Gutenberg-Ära zu den neuen elektronischen Medien, ob das gedruckte Wort an gesellschaftlicher Bedeutung verliere (Literat 6/1983), zumal, wenn doch die meisten Politiker "zwar über eine gediegene Bibliothek mit viel Schweinlederndem (verfügen), (sich) allerdings darunter fast kaum zeitgenössische Autoren (befinden)" (Literat 5/1984). Indes, die zeitgenössischen Schriftsteller haben Einiges auf der politischen Bühne zu verkraften. Sie befinden sich miteinander in einer intellektuell-ideologischen Fehde, die sich an der Annäherung der beiden deutschen Staaten und der Wiedervereinigungsfrage entzündet hat. Hart trifft den BRD-Schriftstellerverband der Austritt Reiner Kunzes, den er in Literat 9/1982 u.a. so begründet Der Vorsitzende des Verbandes, Herr Bernt Engelmann, plädiert in Ost-Berlin für eine Politik, die alles ausstreicht, was auf den Wunsch nach Wiederherstellung eines deutschen Nationalstaates hinauslaufen könnte…Worum es bei der Forderung Engelmanns geht, ist, dass bereits der Wunsch nach einer solchen Wiedervereinigung als unzulässig erklärt wird. Die achtziger Jahre sind begegnungsreich mit jeder Menge Literatur-Kongresse (Literat 5/1984), aber auch geprägt von einem gewissen Pessimismus, der sich, wie Literat-Autor Reinhold Krämer feststellt, in aktuellen Romanen zeige Nach der Revolte wird nicht nur das literarische Ich zunehmend melancholischer und ängstlicher. Der Versuch, die Gesellschaft umzubauen und neu zu gestalten, der mit viel Elan und Begeisterung vorangetrieben worden war, endete mit einer mehr oder weniger glücklichen Restauration. Als Literatur-Beispiele nennt Krämer Nicolas Borns "Die erdabgewandte Seite der Geschichte", Michael Buselmeiers "Untergang von Heidelberg" und Hans Magnus Enzensbergers "Untergang der Titanic" (Literat 9/1984). Anderes über den Literaturbetrieb belegt der Literat-Jahresband 1985: Neue Literaturpreise werden gestiftet (Kranichstein, Literaturpreis Ruhrgebiet, Treffen Junger Autoren). Dazu gesellen sich Privatinitiativen von Autoren und Verlegern. Lyrik-Telefone klingeln: Am Beispiel Kiels bekam jeder der dort telefonlesenden 52 Autoren 525 Anrufe (Literat 7/1979, Literat 4 + 12/1988). Deutschland, Deine Schreibbewegung! Die jetzt immer häufiger gestellte Frage lautet "Kann man Schreiben lernen?" (Literat 5/1985). Und die daraus resultierende Frage, die sich dann für die Entschlossenen ergibt, ist "Wer druckt es?" Am Ende der 80er Jahre teilen sich die noch unbekannten Autoren ihre Erfahrungen mit. Es geht um Verlags- und Agentur-Usancen, Druckkostenzuschüsse, die "Schande", einen so genannten Selbstverlag zu betreiben oder sich sein Buch zu leisten - und am Ende auch die Möglichkeit, betrogen zu werden (Literat 3/1988). In Literat 7/1989 schließlich konstatiert Alexander von Nagy "Eines Tages werden alle Menschen Schriftsteller sein" …Irgendwie kann sich der Mensch nicht vom Buch trennen. Wenn er keine mehr liest, dann schreibt er halt welche…Abgeschobene Politiker, die in der eigenen Partei nicht mehr verstanden wurden,…junge Bühnenkünstlerinnen, die mit der halben Welt ein geschlechtliches Verhältnis hatten,…Schreiben, schreiben, schreiben… Die Redaktion bemüht sich um Aufklärung (Literat 1/2/1998). Zur Entkrampfung der Debatte soll die Satire-Serie "Die Abenteuer des braven Autors Schweijk" beitragen, die von Heft 5/1998 bis 4/1999 ins Blatt gestellt wird. Leider sind auch Verlagspleiten (Literat 10/1985) zu beklagen und das Fehlen von Verlegerpersönlichkeiten - auf sie blickt Hans Peter Schreiner in Literat 10/1985 wehmütig zurück. Dafür kräftigt sich das Selbstbewusstsein der Autoren umso mehr, wenn sie neuerdings Verantwortung und Mitsprache im Autorenrat von Verlagen haben. Die ersten Literaturbüros (Literat 6/1981) feiern bereits Jubiläen beträchtlicher Jahre (Literat 5/1986), das von Günter Grass für Stipendienaufenthalte gestiftete Alfred-Döblin-Haus in Wewelsfleth wird seiner Bestimmung übergeben (Literat 6/1986), Stadt- und Turmschreiber-Stellen boomen. Eva Demski hat in Frankfurt/Bergen-Enkheim gerade Ulla Hahn abgelöst (Literat 10/1988). Über diesen "Job" schrieb bereits Karl Krolow in Literat 9/1975 Ich will versuchen, hier das Leben auf mich regnen zu lassen…Meine Karriere zum Stadtschreiber von Bergen-Enkheim, wenn Sie mir dieses Wort gestatten, ist eine menschliche Karriere, eine Entwicklung zu Menschen hin, die mit mir leben und die glücklicherweise unvorbereitet genug sind, um mich anzuhören… Dem Entsetzen über die Reaktorblock-Explosion in Tschernobyl gibt Literat 11/1986 breiten Raum: "Die Aufgabe des Gedichtes war es von jeher, Zeuge der Zeit, aber auch Zeuge des Unendlichen zu sein…Immer wieder wurde die Frage gestellt, ob Literatur und insbesondere das Gedicht etwas bewirken können? Im Falle der Atomproblematik kann es das bestimmt…Die Atomkraftgegner verbreiten Gedichte auf Flugblättern und die Liedermacher, Schlagersänger veranstalten Musikfestivals, die, wie das gegen die Wiederaufbereitungsanlage von Wackersdorf, über hunderttausend Menschen zusammenströmen lassen…". Im Februar 1988 werden in der Zeitschrift Der Literat die Weichen neu gestellt. Die Germanistin und Redakteurin Inka Bohl erwirbt den Verlag, an dem sie seit zwei Jahren mitarbeitet, von Theodor Tauchel, der bis 1990 Herausgeber bleibt. Das Ende der 80er Jahre hat ein janusköpfiges Gesicht: die Grimasse der Verfolgung von Schriftstellern weltweit und das friedliche Antlitz der Veränderungen in der DDR. War bereits in Literat 6/1982 ein Gespräch mit dem Khomeini-Vertrauten Hassan Habibi zu lesen, stellt die Redaktion in Literat 3/1989 den Aufsatz "Khomeini, Rushdie und wir" zur Diskussion, der großes Leserecho findet in den folgenden Ausgaben. Die Fortführung des Themas verfolgter Autoren ist in zahlreichen Literat-Ausgaben Ende des 20. und Anfang des 21. Jahrhunderts - eine Art Begleitung der "Writer-in-prison"- und "Writer-in-exile"-Arbeit des PEN - dokumentiert: "Wir sollten versuchen, einander zu übersetzen und von einander zu lesen - Mit Faraj Sarkuhi aus Iran im Gespräch" (Literat 1/2/2000). Als Serie, die die Folgen über kulturelle Veränderungen in Japan und China, den internationalen Stellenwert der deutschen Sprache oder Literaturförderung in den Bundesländern ablöst, erscheint ab Literat 3/1989 journalistische Prosa, Reportagen, die dort entstehen, wo sich unmittelbar die Dichter tummeln: "Cafés und Kneipen der Künstler und Literaten". Ebenfalls sporadisch-regelmäßig kommt ab Literat 5/1988 der Blick auf "Neue Lyrik aus…" Frankreich, Italien, Irland, England, Ungarn, Rumänien, USA, etc. Ab November 1989 überragt der Umbruch in der DDR die anderen Themen Vor ein paar Wochen gründete sich die Schweriner Gruppe des "Neuen Forum". Man hatte mit hundert Leuten gerechnet, es kamen mehr als tausend. Heute, am 30. Oktober, waren in Schwerin 40. 000 Menschen auf der Straße. Das alles können nur Bruchstücke sein, Knotenpunkte eines wirren Netzes von Entwicklungen, die in der DDR passieren…(Literat 11/1989). Ein Interview mit dem "ersten und letzten (?) deutschen Grenzschreiber" des Kreises Hersfeld-Rotenburg, Torsten Neuberg, beendet den 89er Jahrgang
Was haben Sie am 9. November gesehen? Keineswegs rhetorisch fragt Lutz Rathenows Essay in Literat 1/1990 "Wohin bewegt sich die DDR?" und prognostiziert am Schluss …Wieder steht das deutsche Volk vor der Frage, ob es die Fähigkeit zur Trauerarbeit aufbringen wird. Die Folgen des totalitären Realsozialismus zu überwinden, kann zu einer seelischen Aufgabe von Jahrzehnten geraten. In der Politik und Ökonomie bleibt selbstverständlich nicht so viel Zeit. Und allzu bereitwillig werden Politiker und Ökonomen in Anbetracht aktueller Aufgaben zum Verdrängen der Vergangenheit raten. Auch das kennen wir aus den vierziger und fünfziger Jahren in beiden deutschen Staaten, die allerdings jeweils andere Aspekte ausblenden wollten. Die Zeiten des Aufeinanderzugehens und -lesens schlagen die erfreulichen Saiten im Heft an ("Die Kultur zieht mit: Hilfen, Kooperationen, Kontakte in Sachen DDR", Literat 3/1990). Zu den unerfreulichen, aber notwendigen Auseinandersetzungen tragen u.a. Gabriele Eckart ("Ein Geheimdienst regiert einen Autorenverband", Literat 2/1990, "Die Gefangene Hölderlin", Literat 10/1992), Linde Rotta ("Die Stasi hatte mitgeschrieben", Literat 8/1990) und Günter Ullmann ("Aus meinem Revolutionstagebuch", Literat 11/1990) bei. Als erstmals in Kiel die beiden deutschen PEN-Zentren gemeinsam tagen (Literat 6/1990) wird spürbar, dass diese Autorenvereinigung schon aus Treue gegenüber ihrer Charta, sollte sie denn eines Tages vereinigt werden, sich den Weg so steinig wie möglich machen würde. Seit diesem ersten Treffen wird es Jahr für Jahr um Opfer und/oder Täter, Ausschlüsse, Austritte, Doppelmitgliedschaften gehen. All diese Kongresse sind in jedem Juni-Heft des Literat bis einschließlich 1997 dokumentiert. Dann, in Literat 6/1998: "Der neue PEN" Ab ersten Juli clock Mitternacht grüßen die beiden PEN-Zentren Ost und West als zum PEN-Zentrum Deutschland e.V. verschmolzen. Nach dem allgemein so rasch im Anschluss an den Umbruch im Osten erfolgten Übernehmen, Überstülpen, Überrumpeln, Abwickeln, glattzüngig auch Wiedervereinigung genannten Schnellverfahren mischen sich mit der Verspätung von acht Jahren zwei kleine gallische Dörfer in einem Tiegel…Und da die beiden Zentren nicht gestorben sind, sondern sich im Streit erhielten, war auch noch ein kleines Märchen angebracht, das B.K. Tragelehn zelebrierte: "Günter Grass heiratet Christa Wolf, Friedrich Schorlemmer gibt seinen Segen und hängt das Aufgebot an die Kirchentür." Ab 1990 (bis Oktober 2000 der Umzug nach Berlin erfolgt) ist der Verlag Der Literat in Bad Soden am Taunus ansässig. Im Januar-Literat 1991 wird das neue Layout der Zeitschrift erstmals umgesetzt - unter Beibehaltung des berühmten eosinfarbenen Umschlags, der von manchen fälschlicherweise als "pink" bezeichnet wird. Die Titelseiten sind jetzt graphisch oder typographisch gestaltet. Der Inhalt erscheint auf der ersten Innenseite, die auch fester Platz für die Meinungsseite wird - mit wechselnden Kommentatoren. Weitere Neuerungen betreffen die "Serie"-Rubrik: Mit einer Reportage über Lübeck ziehen ab Literat 10/1991 regelmäßige Folgen über "Literarische Initiativen der Städte" ins Blatt. Zudem ist der anthologische Teil "Dies Jahr" aus Lyrik und Prosa neu und wird ab Literat 12/1991 in jedes Dezember-Heft eingerückt. Eine Mischung aus Autorenporträt, Buchvorstellung und Lesungs-Ambiente ist die neue Artikel-Reihe "Es liest:…", startend ab Literat 7/8/1994 - mit einem Christa-Wolf-Abend in Leipzig. Ab 1995 kommt die Debatte über die Rechtschreib-Reform in Gang. Literat 1/1995 bringt eine erste Auswahl-Liste der Neuerungen und berichtet über Unsäglichkeiten wie auch über Befreiungen
…Es ist ein bißchen, als ob die Sprache Rheuma (demnächst "Reuma") hat…Etwas dicker ausgestattet wird künftig der "Seeelefant"; die "Flussstrecke" wird um ein "s" weiter, die "Flusssenke" um eines tiefer, die "Sauerstoffflasche" mit einem weiteren "f" aufgefüllt… Als es dann ernst wird mit der neuen Orthographie, füllen sich dazu die Leserbrief-Spalten. Die Literat-Abonnenten teilen ihre ganz unterschiedlichen Meinungen mit
Ausgeburt einiger Bürokraten…Die vielen falschen etymologischen Bezüge, die nun hergestellt werden, sind wirklich ein zutiefst trauriges Kapitel… Anfang 1997 beginnt eine neue Serie: Literat-Korrespondenten erkunden die internationalen Wetterbedingungen für deutsche Literatur. Der erste Beitrag (Literat 1/1997) ist über Tschechien, weitere folgen über Südkorea, Groß Britannien, Litauen, Norwegen, Frankreich, Rumänien, New York, Schweden, Polen, Estland, Italien, Ungarn. Das neue Millennium, in seiner künftigen Beschaffenheit noch nicht definierbar, ist für die Literat-Redaktion Anlass, ein Ressort zu begründen, das innehält und zurückblickt. Innehält mit Essays durch die Jahrhunderte auf bedeutende Autorenkollegen, fast vergessene wie Germaine de Staël-Holstein, Erich Ohser, Milena Jesenská, Martin Kessel, Anna Louisa Karsch, Hans Erich Nossack, Wolf von Aichelburg, Paul Schallück, Ernst Penzoldt, Bruno Vogel, Charlotte Buff, Franziska Gräfin zu Reventlow, Johann Gottfried Seume, Günter Bruno Fuchs und solche, von denen anzunehmen ist, dass sie heute noch eine Lesergemeinde haben wie Rainer Maria Rilke, Christine Lavant, Irmgard Keun, Michael Ende, Hermann Kesten, Oscar Wilde, Hugo Ball, Anna Seghers, Rose Ausländer, Günter Eich, Ingeborg Bachmann, Albert Camus, Marieluise Fleißer, Georg Trakl, John Steinbeck, Luise Rinser, Nicolas Born, Robert Walser, Joseph Roth, Marie Luise Kaschnitz, Alfred Döblin, Gertrud Kolmar, Erich Fried, Else Lasker-Schüler, Hilde Domin, George Tabori... Wunsch an die Rezeption dieser Serie ist es, entlang der hier beschriebenen Lebensläufe vorzubeugen gegen Vorurteile und Illusions-Anfälligkeit. Die Verfasser der einzelnen Schriftstellerbilder waren oft persönlich Vertraute der Porträtierten. Seit Literat 7/8/2004 ist eine weitere Rubrik zu lesen: "Die Markierte Zeile". Diese Beiträge nehmen jeweils ein Zitat zum Anlass für die Begegnung zur Reflektion über bekannte, unbekannte, verkannte, aber immer merk-würdige Worte aus der Weltliteratur. Die Literat-Herausgeberin Inka Bohl fragt anlässlich der Premiere der ersten Folge im Editorial "geht das überhaupt, ein Zitat mit einem Mandat auszustatten für Erkenntnisinteresse?" und sagte "Ich denke schon. Wir stehen in einer Zeit, in der die Abschaffung von Gründlichkeit und Tiefenlektüre auch Menschen erfasst, die darauf eigentlich besonderen Wert legen. Hier setzt Die Markierte Zeile an. Sie wird mit den einzelnen Beiträgen einer Überholungsraserei bloß noch pointenhaft wahrnehmbarer Rezensionen trotzen." Das heisst: Worte, die möglicherweise in aller Munde sind, was ist wirklich dran an ihnen, wenn der Kontext aufgeschlossen wird? Wie machtvoll wirkt ein Zitat durch die Zeiten? Welcher nachfolgenden Schriftstellergeneration Günstling wurde es? Als wie ideologieanfällig hat es sich erwiesen? Aber auch als wie stärkend für die Legitimation gesellschaftlicher Veränderungen behauptete es sich? © Inka Bohl, Berlin 2008 |
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